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(D) In memoriam Hans-Georg Gadamer
By Nenad N. Bach | Published  03/19/2002 | In Memoriam | Unrated
(D) In memoriam Hans-Georg Gadamer
 
Anmerkung. Hans-Georg Gadamer hat den kroatishen Philosphen Mathias Flacius 
Illyricus / Matija Vlacic Ilirik (1520-1575) als einen Klassiker der 
Hermeneutik anerkannt. Im zweiten Band seines Hauptwerks "Wahrheit und 
Methode", behandelt Gadamer Vlacics Hermeneutik sehr umfaenglich. Vlacics 
Begriff "scopus" ist einer der Grundbegriffe der Hermaneutik bei Gadamer (die Lehre 
vom Auslegen und Verstehen). Vlacic war einer der einflussreichsten Denker 
der propestantischen Bewegung, er hat ueber 250 Baende verfasst, und sein 
Hauptwerk ist "Catalogus testium veritas" (1556). Vlacic stammte aus 
Istrien. Gadamer hat auch an den Universitaeten in den Vereinigten Staaten 
Vortraegen / Vorlesungen gehalten. (ra) 
--------------------- 
 
14.03.2002 
 
Der letzte deutsche Denker in großer Tradition 
 
Hans-Georg Gadamer begründete die philosophische Hermeneutik und war in 
seinen letzten Lebensjahrzehnten der "Nestor" der deutschen Gegenwartsphilosophie. 
 
Hans-Georg Gadamer war nicht nur der älteste, sondern auch imposanteste 
Repräsentant der Geisteswissenschaftler Deutschlands. Der Philosoph starb 
einen Monat nach seinem 102. Geburtstag in Heidelberg. 
Der am 11. Februar 1900 in Marburg geborene Sohn eines Chemieprofessors 
durchlebte das gesamte vergangene Jahrhundert, das er mit seinem 
umfangreichen Werk bereichert und mitgeprägt hat. Bis zu seinem Tod war 
Gadamer ein hellwacher Kopf, dazu ein so kritischer wie souveränder 
Beobachter des Zeitgeschehens. Noch als Greis konnte der Schüler Martin 
Heideggers aus dem Stand und ohne jedes Konzept druckreif in freier Rede 
formulieren. In den letzten Jahren drängten sich geradezu die Nachgeborenen, um ein 
Interview oder einfach nur ein Gespräch mit dem auch äußerlich 
beeindruckenden weißhaarigen Herrn mit besten Manieren zu bekommen. Denn 
allen war klar, dass ein Denker dieser Rangstufe, mit diesem 
enzyklopädischen Wissen und sich wie selbstverständlich in der großen 
Tradition der deutschen Philosophiegeschichte bewegend, keinen Nachfolger 
haben würde. Dabei ist der Ruhm erst spät in das lange Leben des schon 1968 von seinem 
Heidelberger Lehrstuhl abgetretenen Mannes gekommen: 1960 hatte Gadamer mit 
seinem Hauptwerk "Wahrheit und Methode" Weltgeltung erlangt. Fortan galt er 
als Begründer der zeitgenössischen "philosophischen Hermeneutik", der Lehre 
vom Auslegen und Verstehen. Gadamer verstand den Menschen als ein auf Verstehen 
angelegtes Wesen, der die Erfahrung von Geschichte in Sinn umzuwandeln genötigt ist. 
Wer je diesen lebhaften Denker bei einer Vorlesung oder einem Vortrag beobachten konnte, 
sah einen Mann, der das Gespräch und das Wort über alles liebte. 
 
Dialogfähigkeit als Überlebensfrage der Menschheit 
 
Für den späten Gadamer war die Dialogverpflichtung des Menschen die 
Überlebensfrage der Menschheit überhaupt: "Die Hermeneutik kann ja besonders 
dies leisten: den Respekt vor dem anderen wieder zu begründen durch die 
Tatsache, dass man niemals für sich alleine alles sagen kann." 
Als der bis zuletzt seine tägliche Weinration genießende Mann diese 
Erkenntnis eines langen Gelehrtendaseins formulierte, war er übrigens 
bereits 99 Jahre alt. "Zeuge des Jahrhunderts zu sein, ist eine große Last", meinte er 
damals im Blick auf jenes 20. Jahrhundert, dessen Irrungen und Wirrungen auch Gadamer 
nicht entkommen konnte. 1939 hatte der Philosoph einen Lehrstuhl in Leipzig erhalten, 
den er bis 1947 behielt. Im Hitler-Reich konzentrierte er sich auf sein Fachgebiet, in 
dem er mit einer von Heidegger abgenommenen Arbeit über die Ethik in der 
griechischen Antike seine Professur begründet hatte. 
Unter dem Motto "Auch das geht vorüber" überstand er die Diktatur ohne 
nachweisbare Verstrickung oder Widerstand. Gadamer sah sich selbst so 
bewusst wie bescheiden als deutschen Professor traditionellen Stils. 
In späten Jahren zum Nestor seiner Disziplin, ja zur geistigen Instanz zu 
werden - das dürfte den persönlich bescheidenen, höchst unspektakulär in 
einem Einfamilienhaus oberhalb von Heidelberg wohnenden Denker selbst 
verwundert haben. Doch er war ja nicht nur ein Philosoph, der kluge Bücher geschrieben 
hatte, sondern ein Meister deutscher Sprache, der nach dem Tod Ernst Jüngers nicht 
mehr seinesgleichen hatte. Die Muttersprache, sagte er, "prägt unsere Identität und ist 
durch nichts zu ersetzen." Auch Hans-Georg Gadamer ist nicht zu ersetzen. 
Seine Werke werden bleiben, aber mehr noch die Erinnerung all derer, die ihn 
persönlich hören und sehen konnten. Mit seinem Tod geht eine ganze Epoche deutscher 
Geistesgeschichte zu Ende. (ap/kas) 
 
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